ORTHOPÄDIE
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Chirurgie-Symposium 2018
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MINIMALINVASIVES VERFAHREN ZUR BEHANDLUNG VON WIRBELKÖRPERFRAKTUREN
(BALLON-KYPHOPLASTIE)





Die Ballon-Kyphoplastie wird bei eingebrochenen Wirbeln und damit einhergehenden andauernden Schmerzen angewandt. Sie wird von uns sowohl zur Stabilisierung osteoporotischer Wirbelfrakturen als auch zur Behandlung von Frakturen durch Knochenmetastasen eingesetzt.

> Seitliche Ansicht einer schmerzhaften Wirbelkörper-Kompressionsfraktur.
Wirbelkörperkompressionsfrakturen durch Osteoporose können spontan oder nach einem geringfügigen Trauma auftreten. Der dicke Knochenteil an der Vorderseite des Wirbels in der Wirbelsäule bricht ein; dadurch kann die Wirbelsäule verkürzt werden und nach vorne fallen. Da sich das Schwerkraftzentrum nach vorne verschiebt, entsteht ein großes Krümmungsmoment. Die hinteren Muskeln und Bänder müssen diese verstärkte Krümmung ausgleichen , so dass die von Osteoporose betroffene vordere Wirbelsäule gezwungen ist, größeren Kompressionsbelastungen standzuhalten. Eine nicht behandelte Fraktur heilt in einem verformten Zustand und erhält die veränderte Biomechanik. Die Verformung der Brust- und Lendenwirbelsäule, die häufig bei älteren Patienten festzustellen ist, wird als "Kyphose" oder Witwenbuckel bezeichnet.

> Die Ballon-Kyphoplastie kann sowohl unter Lokalanästhesie als auch Vollnarkose durchgeführt werden. Der Patient befindet sich hierbei in Bauchlage und es werden Zweiebenen-Röntgengeräte eingesetzt. Der Eingriff dauert durchschnittlich 40-45 Minuten zur Versorgung der ersten Fraktur. Weitere Frakturen beanspruchen weniger Zeit, da die Vorbereitungsarbeiten entfallen.

> Die Ballon-Kyphoplastie wird auf beiden Seiten des Wirbelkörpers vorgenommen. Mit zwei kleinen, 1 cm langen Einschnitten werden  zwei orthopädische Ballons, sog. "Tamps",  in den gebrochenen Wirbel eingeführt.

> Beide Ballons werden im zusammengebrochenen Bereich des Wirbelkörpers vorsichtig aufgedehnt, wodurch die Fraktur reduziert und die Endplatte angehoben wird. Auf unseren Abbildungen ist nur ein Ballon seitlich sichtbar.

> Sobald die maximale Fraktur-Reduktion und die Korrektur der Deformation erreicht sind, werden beide Ballons entleert und entfernt.

> Der Knochen wird dann in seiner wieder hergestellten Höhe durch  Knochenzement (hochviskös und röntgendicht) stabilisiert. Der Knochenzement wird unter geringem manuellen Druck in den Hohlraum unter Röntgenkontrolle sicher eingebracht und härtet dort aus.





> Vorteile der Ballon-Kyphoplastie:

Wiederherstellung der Wirbelhöhe: Im Durchschnitt werden 50 bis 70 % der verlorenen Wirbelhöhe wieder hergestellt. Sehr gute Ergebnisse bei der Wiederherstellung der Höhe des Wirbelkörpers konnten bei Frakturen festgestellt werden, die binnen 3 Monaten nach dem Einsetzen der Schmerzen behandelt wurden.

Schmerzlinderung: Bei den meisten Patienten kommt es häufig bereits wenige Stunden nach dem Eingriff zu einer sofortigen Schmerzlinderung. Die meisten Patienten können von Analgetika auf rezeptfreie Medikamente umstellen.

Rasche Mobilisierung: Der stationäre Aufenthalt dauert im Durchschnitt 1 bis 2 Tage.

Lebensqualität: Die Patienten berichten von einer erheblichen Verbesserung in Bereichen, die sich auf die Lebensqualität auswirken, wie körperliche Schmerzen, körperliche Funktionen, Vitalität und psychisches Wohlbefinden.





> Komplikationen, Risiken:
In sehr seltenen Fällen kommt es während der Injektion zu einem Austritt von Knochenzement aus dem behandelten Wirbelkörper und im Extremfall zu einer Embolie. Zement kann in die benachbarten Bandscheibenfächer oder in den Spinalkanal gelangen und je nach Höhe des Austritts zu Lähmungen führen.
Diese Leckagen werden bei der Injektion unter Röntgenkontrolle sofort bemerkt, so dass sie in der Regel gering ausfallen.


> Informationen zu Osteoporose/Vorbeugung





> Besondere Anforderungen an die Operationsverfahren bei der Versorgung hüftnaher Oberschenkelbrüche (Femurfrakturen) des alten Menschen



Stabilisierungen hüftnaher Femurfrakturen werden bei alten Patienten häufig einer schwer kalkulierbaren Prüfung unterzogen. Die Verankerung des Implantats in einem Knochen reduzierter Qualität ist häufig mit Problemen verbunden. Schraubengewinde brechen in ostoporotischer Knochenrinde (Corticalis) leichter aus, ungleichmäßige Druckverteilung führt an maximalen Druckpunkten zu Knochenauflösungen (Osteolysen), Verkeilung innerhalb des Knochenmarkraumes (intramedullärer) liegender Kraftträger kann zu zusätzlichen, oft umfangreichen Oberschenkelfrakturen führen.
   Sorge bereitet dem Operateur aber häufig, wenn der betagte Patient eine sorgfältige Frakturstabilisierung einem sofortigen und unkontrollierten Vollbelastungstest unterzieht. Im Gegensatz zur Übungsstabilität wäre bei der Versorgung einer hüftnahen Fraktur bei alten Menschen eine möglichst große Belastungsstabilität wünschenswert.
    Die gefahrlose Frühmobilisierung bleibt  eine der wichtigsten Forderungen in der Versorgung alter Patienten. Dies wiederum setzt bei der hüftnahen Fraktur Kraftträger voraus, die
 
> unabhängig von Frakturform und Knochenbeschaffenheit frühzeitig und auf Dauer eine hohe Last aufnehmen können,
> gegen andauernde Biegebelastung unempfindlich sind und deren
> Verankerung im Knochen dabei fest bleibt.

Die Langzeitverträglichkeit eines Implantats sollte besonders bei alten Menschen bedacht werden, da der zweite Eingriff zur Materialentfernung eine zusätzliche Belastung darstellt.


> Beurteilung von Behandlungsergebnissen

Die Qualität einer operativen Frakturbehandlung kann nach sehr unterschiedlichen Gesichtspunkten beurteilt werden. An den unteren Gliedmaßen steht die
möglichst rasche und möglichst selbständige Fortbewegung im Vordergrund und wird höher eingeschätzt als maximale Gelenkbeweglichkeit und ein gutes Röntgenergebnis. Besonders bei alten Menschen hat der Zeitpunkt des ersten Aufstehens und der ersten Schritte nach der Operation große Bedeutung, hängt aber keineswegs allein vom Operationsergebnis ab.
Der zweite wichtige Zeitpunkt ist der Beginn der selbständigen Fortbewegung ohne Hilfsperson und mit möglichst wenig Hilfsmitteln.

Die Dauer des stationären Aufenthaltes nach der Operation ist zur Beurteilung eines operativen Ergebnisses kaum geeignet, da diese Zeit häufig von den Möglichkeiten oder dem guten Willen der Angehörigen zur Weiterversorgung, von den Anschlußheilbehandlungsplätzen oder auch Pflegeplätzen abhängt. Begleitende Schmerzen sind für den Patienten ein wesentliches Kriterium und begrenzen häufig die Mobilität.

Wesentlich exakter und objektiver als die bisher aufgeführten Kriterien lassen sich Ergebnisse im Röntgenbild beurteilen. Große Bedeutung hatte die möglichst perfekte anatomische Rekonstruktion des Knochens im Röntgenbild bei Osteosynthesen mit dem Ziel einer sog. primären oder direkten Knochenbruchheilung.

Bei dynamischen und halbgeschlossenen Stabilisierungen ist die „Röntgenkosmetik“ (perfekte anatomische Wiederherstellung des Knochens) gegenüber einer guten Funktion in den Hintergrund getreten.