ORTHOPÄDIE
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Chirurgie-Symposium 2018
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AUSGEWÄHLTE OPERATIVE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
BEI OBERSCHENKELHALSBRUCH

Was ist die Ursache für einen Oberschenkelhalsbruch?

Alte Menschen rutschen auf nassem Laub oder auf Eis aus und fallen seitlich auf die Hüfte. Die häufigste Ursache für eine Schenkelhalsfraktur aber ist ein Sturz zu Hause.
Der Oberschenkelhalsbruch ist eine sogenannte "osteoporotische Fraktur". Die Osteoporose, also eine verminderte Knochendichte im Alter, macht den Oberschenkelhals zur typischen Bruchstelle.

Warum bricht gerade der Oberschenkelhals?

Am besten stellt man sich den Oberschenkelhals, den Kopf und den Oberschenkel vor wie einen Kran. Der Kran ist der Oberschenkel, als stabiler, senkrechter Anteil.  Daran geht der Ausleger weg, das ist der Schenkelhals.  An dem Ausleger ist der Kopf aufgehängt, ähnlich wo sonst der Kran ein Gewicht hochzieht. Ähnlich wie das Kranmodell ist auch der Knochen aufgebaut. Er hat Tragrippen, die auf Zug und Druck beansprucht sind und ist normalerweise sehr stabil. Wenn eine Osteoporose hinzu kommt, werden diese Tragrippen ausgedünnt und das Ganze wird brüchig. Ein einfacher Sturz reicht schon aus, dass diese Knochenbälkchen zusammenbrechen. Damit ist der Knochenbruch eingetreten. Der Oberschenkenkelhals ist besonders häufig von Osteoporose betroffen. Genauso wie an den ebenso häufig betroffenen Wirbeln hat der Knochen hier einen  sehr hohen Stoffwechselumsatz und wird vom Körper besonders stark abgebaut.

Welche Möglichkeiten der Behandlung eines Oberschenkelhalsbruches gibt es heute?

99 % der Oberschenkelhalsfrakturen werden operiert. Erleidet ein junger Mensch - was eher selten vorkommt (z.B. bei einem Sportunfall) - einen Oberschenkelhalsbruch, läßt sich das noch gesunde Knochenmaterial mit einer sogenannten dynamischen Hüftschraube (DHS) gut stabilisieren. Eine Schraube, in den Schenkelhals gebohrt und mit einer Platte am Knochen fixiert, verbindet den Oberschenkelknochen wieder mit dem Hüftkopf.

Welche Nachteile hat die dynamische Hüftschraube für die älteren Patienten?

Nach dieser Operationsmethode ist das Bein nicht gleich wieder voll belastbar.
Der Patient ist eine gewisse Zeit nicht gut mobilisierbar. Doch bei älteren Patientinnen und Patienten ist gerade dies wegen der Emboliegefahr äußerst wichtig. Zudem eignet sich die Hüftschraube aber auch nur bedingt bei porösem Kochenmaterial. Der Grund hierfür ist: Bei einer hochgradigen Osteoporose ist der Stahl viel stärker als der osteoporotisch veränderte Knochen. Der Stahl kann sich durch den osteoporotischen Knochen durcharbeiten und dann ausbrechen. Bei dieser Operationsmethode sind heute Komplikationsraten bis zu 30 % möglich, d.h.  fast jeder 3. muss nochmals operiert werden.

Welche Alternative in der Behandlung der Oberschenkelhalsfraktur gibt es und welche Vorteile hat diese?

Bei der schweren Osteoporose und im höheren Alter (Patienten über 75 Jahre) wird eine Endoprothese eingesetzt um diese Komplikationen zu vermeiden. Bei einer solchen Totalendoprothese wird das gesamte Hüftgelenk ersetzt.
Der poröse Knochen wird entfernt. Anstelle des Knochens setzt man einen Stahl- oder Titanschaft ein, setzt dort einen Kopf darauf und darauf noch eine Pfanne. Man ersetzt das gesamte Gelenk durch etwas sehr Stabiles. Der Vorteil ist, dass man damit im Prinzip gleich wieder voll belasten kann. Zusätzlich fixiert wird das Ganze mit sog. Knochenzement. Das ist ein spezieller Kunstoff, der während der Operation angerührt wird. Nachdem man den Schenkelhals abgesägt hat und den osteoporotischen Knochen weggenommen hat, wird der Oberschenkelknochen individuell auf die Prothese angepasst, handwerklich aufgeraspelt, der Prothesenschaft eingebolzt und mit Zement gehalten. Dieser Zement verzahnt sich mit den Knochenwänden und gibt sofort Stabilität.

Wie ist die Prognose der Patienten nach einer Oberschenkelhalsfraktur?

In den 60er Jahren, als diese Operationsmethoden noch nicht zur Verfügung standen, starben noch 60 % der Patienten an den Folgen einer Oberschenkelhalsfraktur.  Zu lange Liegezeiten führten zu tödlichen Thromboembolien. Allerdings überlebt auch heute noch etwa ein Viertel der Betroffenen das erste Jahr nach einer Operation nicht. Ein Viertel ist gar auf ein Pflegeheim angewiesen, die Hälfte bleibt mehr oder weniger eingeschränkt.

Was passiert nach der Operation?

Eine Heilbehandlung nach einem Oberschenkelhalsbruch ist immer gleichzeitig auch Prävention vor einem nächsten Sturz. Weiss man doch, dass wer einmal einen derartigen Bruch hatte, künftig mit dem 5-fachen Risiko lebt, künftig wieder einen Bruch zu erleiden.
Bereits nach dem 4. oder 5. Tag nach der Operation wird von uns  eine Anschlußheilbehandlung in die Wege geleitet, damit rechtzeitig die Rehabilitation einsetzt und die Patienten sich wieder bewegen können und sich auch trauen können, sich wieder zu bewegen.

Wie kann man künftige Knochenbrüche vermeiden?

Über 80 % aller Patienten, die einen Oberschenkelhalsbruch haben, bekommen bei uns eine standardmäßige Osteoporose-Messung nach der Operation bzw. bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. In Deutschland liegt die Zahl bei etwa 18 %.  Die Osteoporose-Messung führt dazu, dass wir noch während des stationären Aufenthaltes eine Therapie-Empfehlung machen. Allgemein gesagt, lässt sich jeder zweite Knochenbruch in der Folgezeit vermeiden, wenn man entsprechende Osteoporose-Medikamente über ein bis zwei Jahre hinweg einnimmt. Von den etwa 100.000 jährlichen Fällen in Deutschland läßt sich durch eine vernünftige medikamentöse Therapie, die auch von den Krankenkassen bezahlt wird, jeder zweite Bruch vermeiden.